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Raphael Netz: Vom Küken zum alten Hasen

Die magische ‚3‘ für den schon erprobten Hahn im Korb des U25-EM-Teams. Raphael Netz, der schon fast ‚Olympia-Feeling‘ in Hagen erlebt hat, mit seiner Chefin und Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl anreisen wird und sich auf seine besondere dritte Europameisterschaft freut – #RoadtoHagen Teil 6 mit Raphael Netz!

Hagen wird Deine dritte Europameisterschaft bei den U25-Reitern. Die ‚3‘ scheint Deine Zahl in diesem Jahr zu sein…

RN: Stimmt, meine dritte U25-Euro und das dritte Mal gehöre ich zusammen mit Anna (Ann-Kathrin Lindner) zum Team. 2019 waren Anna und ich die Küken bei der Euro, jetzt sind wir die alten Hasen. In den vergangenen drei Jahren sind Anna und ich richtig gute Freunde geworden, wir tauschen uns sehr viel aus und sind total zusammen gewachsen. Hagen wird für uns ein besonderes Championat, auch weil es – zumindest vorläufig – unser letztes gemeinsames Championat sein wird. Für mich ist es das erste Jahr im U25-Alter, ich war vorher noch im Junge Reiter-Alter, aber für Anna ist es das letzte U25-Jahr. Dann müssen wir mal schauen, ob wir es auch bei den Senioren noch mal schaffen, zusammen im Team zu sein (lacht). Das wäre natürlich der Hammer. Und noch eine ‚3‘ – ich bin dieses Jahr gleich mit drei Pferden im Piaff-Förderpreis für Deutschlands beste U25-Reiter dabei. Auf diese ‚3‘ bin ich schon auch ein bisschen stolz. Neben meinen Kaderpferden Lacoste und Elastico geht auch Exclusive BB im Piaff-Förderpreis.

Bei den Europameisterschaften in Italien 2019 und Ungarn 2020 hattest Du Lacoste gesattelt, jetzt wirst Du mit Elastico zum Team gehören. Zwei völlig verschiedene Typen?

RN: Die beiden könnten wirklich nicht unterschiedlicher sein. Lacoste habe ich fünf Jahre lang selbst ausgebildet, wir sind wie verheiratet und kennen jede Stärke und jede Schwäche des anderen. Auf Elastico sitze ich erst seit etwas mehr als einem Jahr. Er ist charakterlich wie ein Rocker mit Lederjacke und Sonnenbrille, der auf seiner Harley sitzt. Nach außen wirkt er hart, aber er hat ein ganz weiches Herz. Es macht unheimlich viel Spaß, mit ihm ins Viereck einzureiten. Er hat so eine Ausstrahlung und einen solchen Willen für den Sport. Er macht immer wieder Lust auf mehr. Wir sind inzwischen gut zusammen gewachsen, haben schon einige größere Turniere bestritten und ja auch schon eine Medaille bei den Deutschen U25-Meisterschaften ergattert.

Du hast EM-Erfahrung und Du hast auch schon sehr besondere Hagen-Erfahrung…

RN: Oh ja, wir durften schon mal ‚Olympia in Hagen‘ spielen. Ich war 2019 bei dem Test-Event dabei als in Hagen das neue olympische Format getestet wurde – mit den Gruppenbildungen, genau wie es jetzt in Tokio durchgeführt wurde. Wir hatten damals auch sieben Richter, wie bei Olympia. Das war eine sehr coole Erfahrung. Ich war auch als Ponyreiter und Junger Reiter oft bei den Future Champions in Hagen. Das waren immer super Turniere.

Apropos Olympia – Du wirst ja praktisch mit der Olympiasiegerin nach Hagen reisen…

RN: Das ist immer noch unglaublich: Wir haben die olympische Dressur bei uns im Stall in Aubenhausen mit Public Viewing verfolgt, das ganze Team hat an dem großen Bildschirm gesessen und es sind Tränen geflossen als Jessi (Jessica von Bredow-Werndl) Gold gewonnen hat – viele Tränen. Das war unheimlich emotional. Ich freue mich riesig für Jessi und bin auch stolz, dass sie meine Chefin ist und ich von ihr und Benni (Benjamin Werndl) trainiert werde. Das spornt natürlich noch mal zusätzlich an.

In Hagen wartet auf die U25-Reiter noch ein besonderer Ansporn in diesem Jahr. Zum ersten Mal werden die Europameisterschaften für Euch und die Senioren zusammen abgehalten.

RN: Ich persönlich finde das genial. Wir können mal erleben, wie ein Championat bei den Großen abläuft. Da wollen wir ja alle mal hin. Das hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Überhaupt freue ich mich auf die Europameisterschaft im eigenen Land. Das wird sehr speziell. Hinzu kommt, dass ich mit Elastico jetzt einen anderen Partner unter dem Sattel habe. Mit zwei Pferden Championatsreife zu erlangen, erst mit Lacoste und jetzt mit Elastico, das ist für mich ein persönlicher Erfolg, über den ich mich total freue. Und Lacoste kommt als Ersatzpferd ja auch noch mit ins Trainingslager. Das alles ist einfach klasse!

Und die EM in Hagen wird fast wie ein Familienausflug der Familie Netz…

RN: Ja, ich freue mich riesig, meine ganze Familie kommt: meine Eltern Janet und Oliver, mein älterer Bruder Nico und meine jüngere Schwester Feliza und die ganze Familie Werndl wird auch da sein. In Hagen kommen wirklich alle zusammen.

Eine Dame aus Deiner Familie wird besonders nervös sein, oder?

RN: Definitiv meine Mutter (lacht). Meine Mutter ist schon in Ponyzeiten mit mir auf jedes Turnier gefahren und war damals schon immer so aufgeregt. Sie kommt auch heute noch auf fast jedes Turnier und manchmal, wenn es richtig gut war, dann bekomme ich von ihr den Daumen nach oben. Aber meine Mutter sieht mich nicht durch die rosarote Brille. Ich glaube, sie ist meine größte Kritikerin und mein größter Fan in einer Person. Dafür bin ich ihr mega dankbar! Für mich ist es auch unheimlich wichtig, dass meine Mutter da ist, wenn ich ins EM-Viereck einreite. Meine Mutter und Fabienne – das sind in dem Moment die beiden wichtigsten Menschen…

Fabienne?

RN: Fabienne Stein ist die Pflegerin meiner Pferde, die schon mit mir bei der Euro in Ungarn letztes Jahr war. Sie kümmert sich mit so viel Liebe und Verstand um die Pferde und wir sind ein mega-gut eingespieltes Team inzwischen. Ohne sie geht auf dem Turnier gar nix.

Fabienne und Deine Familie sind da, Deine Trainer Jessi und Benni sind vor Ort und Du hast drei starke Damen mit Dir im Team – es kann eigentlich nichts mehr schief gehen?

RN: (lacht) Ich glaube auf jeden Fall, dass wir ein sehr cooles Team sein werden. Die nächsten Wochen bis zur EM sind jetzt aber noch mal sehr wichtig. Ich beschäftige mich sehr viel mit meinen beiden Kaderpferden, ich beobachte sie sehr genau und horche mit Verstand und Gefühl in sie hinein: Wann brauchen sie Ruhe, wann etwas mehr Training, ist mit dem Equipment, der Fütterung, dem Beschlag alles optimal in Ordnung etc. Die Wochen vor dem Championat bin ich meist angespannter als auf dem Championat an sich. Am Abend vor meinem EM-Start ziehe ich mich früh zurück, meditiere, gehe früh schlafen, da bin ich sehr strikt mit mir, und münze meine Anspannung positiv um – dann kann es losgehen.

Tickets für die Dressur-EM der Senioren & U25 gibt es hier!

Interview Kim Kreling. Foto © Stefan Lafrentz.

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